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Briefe zur wesensgerechten Bienenhaltung

Michael Thiele

Literatur über ökologische Bienenhaltung zu finden, ist heute gar nicht mehr so schwer. Allerdings werden uns immer wieder Allgemeinplätze für Neuigkeiten und Unwahrheiten für Wahrheit verkauft, so daß es schwer fällt, uneingeschränkte Literaturempfehlungen zu geben. Behauptungen wie diese sind an der Tagesordnung: "Tatsächlich ist in den letzten Jahrzehnten weltweit die Imkerei ohne zunehmenden Einsatz von Medikamenten nicht mehr möglich" (1). Dies ist schlichtweg falsch, wie wir noch sehen werden. In den meisten Ländern der Erde ist imkern ohne Einsatz von Medikamenten auch heute noch möglich. Oder was ist mit Herrn Weiler? Er wurde von den Öko-Verbänden in Deutschland zu ihrem "Fachbuchautor" gekürt. Ohne Zweifel, weil er schon eine so große Menge Fachbücher geschrieben hat. Und wie viele meinen Sie, daß er deren geschrieben? In allem, summa summarum, richtig gerechnet - eins. Und wie viele Zeitungsartikel hat er geschrieben? Aber lassen wir das. Nach seinem Bekanntheitsgrad unter den Öko-Verbänden zu urteilen, müssen seine Artikel von interessanten Neuigkeiten und messerscharfen Schlußfolgerungen nur so strotzen. Hier als Kostprobe seine Anmerkungen zum Bienenschwarm:

"Der Schwarm zieht mit seiner Königin aus dem Bienenstock aus und verhält sich so, wie er sich verhält, weil er in die geistige Welt will. Aber sie (die Königin) ist so materiell physisch geworden, daß sie das nicht kann. Und dann werden sie wieder der richtige Bienenstock, wenn wir ihnen helfen, wenn wir sie wieder zurückbringen in den neuen Bienenstock" (2) 
"Der Schwarm zieht mit seiner Königin aus dem Bienenstock aus und verhält sich so wie er sich verhält" - Donnerwetter!! Wer hätte das gedacht: ein Schwarm verhält sich so wie er sich verhält! Wie verhält er sich denn nun? Das verrät er uns leider nicht, dafür versucht er uns schlüssig zu erklären, warum der Schwarm sich so verhält: "weil er in die geistige Welt hinein will." Wenn es weiter nichts ist! - Aber davon einmal abgesehen, wie geht es weiter? Wir werden belehrt: "Aber sie (die Königin) ist so materiell physisch geworden, daß sie das nicht kann." Nun, was denn? Was wird denn nun aus dem Schwarm? "Und dann werden sie wieder der richtige Bienenstock" O Logik! Ein Mann der so schließen kann, untersteht sich, von der Kunst der Bienenhaltung zu schreiben? Sie meinen, es lohne sich also der Mühe, auch von den übrigen Erkenntnissen des Herrn Weiler ein Wort zu sagen, weil sie gar zu sonderbar sind, und Weiler ein gar zu berühmter Mann geworden. Es sei so wie Sie meinen! Wir kommen später darauf zurück.

Vorher noch ein paar Worte zum eigentlichen Thema. Was hat es mit der ökologischen und wesensgemäßen Bienenhaltung auf sich? Hier ist nicht der Ort, die - ich nenne sie einmal - gewöhnliche ökologische Bienenhaltung zu erläutern; ja ich müßte mich vor mir selbst schämen, dem Leser eine solche Katechismusmilch, wie sie jetzt überall angeboten wird, auch noch vorkauen zu wollen. Nicht nur gewöhnliche Prediger der ökologischen Bienenhaltung, wie die Vertreter der Bio-Verbände, auch Händler, Importeure, Industrie und Politiker reden von der Ökologisierung, der Nachhaltigkeit, der Harmonie mit der Umwelt. Aber wo bliebe diese Harmonie? Ich meine nicht jene besser, wie sie von den alten Lehrern der Bienenzucht gelehrt wurde und heute aktueller ist denn je (3,4,9). Wo bliebe diese Harmonie, die heute überall gepredigt wird? Kurz eine Harmonie, wie sie nur in dem Utilitarismus, Hedonismus, Positivismus, in der Systemtheorie entstanden ist, wie sie nur in der falsch verstandenen Systemtheorie hat entstehen können. Diese, diese "Harmonie der wächsernen Nasen", die alles reduziert auf leicht Faßbares, die aus lauter zusammenhangslosen Einzelteilen ein Ganzes zusammensetzt, das kein einziger altehrwürdiger Lehrer der Bienenzucht für das Seine erkennen würde; diese Harmonie, gegen die allein diese Briefe über wesensgerechte Bienenhaltung gerichtet sind, die allein diese hervorgebracht hat: wo bleibt sie? Wer braucht sie? Wer mag sie? Wenn wir die alten Lehrer bis herauf zu R. Steiner vor allem als gesunde, natürliche Menschen zu Wort kommen lassen (3, 4). 

Wie kommt es, daß es in den Gegenden der Erde, in denen es naturgemäß eine savannenartige Baumlandschaft gibt mit intakter Vogel- und Insektenwelt, besonders gut für die Landwirtschaft und Bienenzucht geeignet ist? Gewiß, Bäume üben eine ästhetische Wirkung auf den Menschen aus, binden Haus und Hof in die Landschaft ein, vermitteln zwischen Siedlung und Flur; es gibt Hausbäume, Wetterbäume, die mit ihren Blättern Kohlendioxid und Staubpartikel binden, regulierend auf die Luftfeuchtigkeit und Temperatur wirken; sie sind Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Totholz dient den Wildbienen und nachdem größere Tiere wie der Marder eine genügend große Höhle im Holz hinterlassen hat, der Honigbiene als Wohnung. Aber welche tieferen Zusammenhänge gibt es noch, welche Wechselwirkungen bestehen zwischen der Vogel-, der Insektenwelt, den Bäumen und der Landwirtschaft? Lassen wir Lehrer jener oben erwähnten, besseren Harmonie zu Wort kommen:

"Darüber macht sich heute die Menschheit noch nicht richtige Begriffe, welchen Einfluß die Vertreibung gewisser Vogelarten aus gewissen Gegenden durch die modernen Lebensverhältnisse für alles landwirtschaftliche und forstmäßige Leben eigentlich hat. In diese Dinge muß wiederum durch ... eine makrokosmische Betrachtung hineingeleuchtet werden. ... so daß also, wenn die Erde keine Bäume hätte, auf der Erde überhaupt keine Insekten wären. Denn die Bäume bereiten den Insekten die Möglichkeit zu sein. ... Das gehört zusammen: Fluggetier und dasjenige, was aus der Erde in die Luft hineinwächst. Eins ist ohne das andere letzten Endes gar nicht denkbar. Daher müßte innerhalb der Landwirtschaft auch ein Auge darauf geworfen werden, in der richtigen Art Insekten und Vögel herumflattern zu lassen. Der Landwirt selber müßte auch etwas von Insektenzucht und Vogelzucht zu gleicher Zeit verstehen. ... Dasjenige, was der Wald tut in seiner weiten Nachbarschaft - die Dinge wirken auf sehr weite Flächen hin - nach dieser Richtung hin, das muß durch ganz andere Dinge getan werden da, wo waldleere Gegenden sind. Und man sollte verstehen, daß eigentlich das Bodenwachstum in Gegenden, wo Wald und Feldflächen und Wiesen abwechseln, ganz anderen Gesetzen unterliegt, als in weithin waldlosen Ländern.

Es gibt ja nun gewisse Gegenden der Erde, bei denen man von vornherein sieht, daß sie waldreich gemacht worden sind, als der Mensch noch nichts dazu tat - denn in gewissen Dingen ist die Natur noch immer gescheiter als der Mensch -, und man kann schon annehmen, wenn naturhaft der Wald in einer gewissen Landesgegend da ist, so hat er seinen Nutzen für die umliegende Landwirtschaft, die umliegende krautartige und halmartige Vegetation. Man sollte daher die Einsicht haben, in solchen Gegenden den Wald ja nicht auszurotten, sondern ihn gut zu pflegen. Und da die Erde aber auch durch allerlei klimatische und kosmische Einflüsse sich nach und nach verändert, sollte man das Herz dazu haben, dann, wenn man erblickt, die Vegetation wird kümmerlich, nicht allerlei Experimente bloß auf den Feldern und für die Felder zu machen, sondern die Waldflächen in der Nähe etwas zu vermehren. ... und man tut daher gut, zur Aufbesserung seines Säugetierwesens in einer Landschaft strauchartige Gewächse anzupflanzen. Einfach schon dadurch, daß die strauchartigen Gewächse da sind, üben sie einen günstigen Einfluß aus. Denn in der Natur steht alles in Wechselwirkung. 

Aber man gehe weiter. Die Tiere sind ja nicht so töricht wie die Menschen, die merken nämlich sehr bald, daß diese Verwandtschaft da ist. Und wenn sie merken, daß sie die Sträucher lieben, daß ihnen die Liebe dazu angeboren ist, dann bekommen sie auch diese Sträucher zum fressen gern, und sie fangen an, das Nötige zu fressen, was ungeheuer regulierend wirkt auf das andere Futter...

So wie der Nadelwald eine intime Beziehung zu den Vögeln hat, die Sträucher eine intime Beziehung zu den Säugetieren haben, so hat wiederum alles Pilzige eine intime Beziehung zu der niederen Tierwelt, zu Bakterien und ähnlichem Getier, zu den schädlichen Parasiten nämlich. ... Bringen wir es aber dahin, nicht nur Wälder zu haben, sondern Auen in entsprechender Nachbarschaft der Landwirtschaft, so werden diese Auen dadurch ganz besonders wirksam werden für die Landwirtschaft, daß in ihnen ein guter Boden vorhanden ist für Pilze. Und man sollte darauf sehen, daß die Auen besetzt sind in ihrem Boden mit Pilzen. Und da wird man das merkwürdige erleben, daß, wo eine Aue, eine pilzreiche Aue, wenn auch vielleicht gar nicht von starker Größe, in der Nähe einer Landwirtschaft ist, daß da dann diese Pilze nun durch ihre Verwandschaft mit den Bakterien und dem anderen parasitäen Getier dieses Getier abhalten von dem anderen. Denn die Pilze halten mehr zusammen mit dem Getier, als das die anderen Pflanzen tun. Neben solchen Dingen, wie ich sie angeführt habe zur Bekämpfung solcher Pflanzenschädlinge, besteht auch noch die Möglichkeit, durch Anlegung von Auen das schädliche Kleingetier, das schädliche Kleinviehzeug von der Landwirtschaft abzuhalten. In der richtigen Verteilung von Wald, Obstanlagen, Strauchwerk, Auen mit einer gewissen natürlichen Pilzkultur liegt so sehr das Wesen einer günstigen Landwirtschaft, daß man wirklich mehr erreicht für die Landwirtschaft, wenn man sogar die nutzbaren Flächen des landwirtschaftlichen Bodens etwas verringern müßte. Jedenfalls übt man keine ökonomische Wirtschaft aus, wenn man die Fläche des Erdbodens so weit ausnutzt, daß alles das hinschwindet, wovon ich gesprochen habe, und man darauf spekuliert, daß man dadurch mehr anbauen kann. Das, was man da mehr anbauen kann, wird eben in einem höheren Grade schlechter, als dasjenige beträgt, was man durch die Vergrößerung der Flächen auf Kosten der anderen Dinge erreichen kann" (5).

So gesehen kann man die Savanne als Urbild der Kulturlandschaft ansehen (6); sie ist sozusagen Urheimat des Menschen. In mittelalterlichen Paradiesdarstellungen erscheint das stilisierte Paradies als eine Art Savanne. Im Wesentlichen gibt es Natur- und Kultursavannen. Sie stimmen darin überein, daß sie dasselbe, von keiner anderen Landschaftsform erreichte hohe Niveau des Artenreichtums von Pflanzen und Tieren darstellen, in das der Mensch integriert ist. Früher trug der Mensch ein archetypisches Bild dieser Landschaft in sich. Heute hat er die Erinnerung daran allerdings fast vergessen. Denn die modernen Monokulturen in den flurbereinigten, baumlosen Landschaften entsprechen artenarmen, aber individuenreichen Grenzregionen, in denen die Savanne über die Grassteppe in die Wüste übergeht. Hier wie dort ist natürliche Bienenzucht nicht mehr möglich. 
Die beste Voraussetzung für die natürliche Bienenzucht bietet die Natursavanne wie sie zum Beispiel in weiten Teilen Afrikas und Argentiniens noch vorkommt. In diesen Gegenden der Erde können noch Bienenschwärme auf natürliche Weise gewonnen werden, indem sie einfach eingefangen werden; die Völker können in der Landschaft überleben und sind nicht auf Bienenwohnungen angewiesen, die ihnen der Mensch zur Verfügung stellt, wie dies in Mitteleuropa der Fall ist. Wie andere Insekten auch, leben die Honigbienen hier noch in freier Wildbahn sozusagen. Der Mensch braucht sich nur auf harmonische Weise - wie dies ja auch einst von Dionysos gelehrt wurde - in dieses Zusammenspiel einzuklinken. Es ist wirklich noch ein Paradies für Bienen; in solchen Savannen wimmelt es von Bienenschwärmen und man muß sich vorsehen, daß ein Schwarm nicht versehentlich durchs offene Autofenster hindurch saust. Die Bienen finden fast das ganze Jahr über Pollen und Nektar, und das in großen Mengen, da nicht nur die Bodenvegetation zur Verfügung steht sondern vor allem die Bäume. In Argentinien zum Beispiel sorgen Bäume und Sträucher wie Algarobbo (Prosopis sp.), Chilca (Vernonia-, Eupatorium-, Baccharis- und Tessariaarten), und viele mehr durch ihren Blütenreichtum für eine ausreichende Pollen- und Nektarversorgung. So ist für Mensch und Natur beides gleichermaßen garantiert, gute Honigerträge und für die Bienen eine natürliche Haltungsform ohne künstliche Bienenzucht. Zu Mißernten kann es nur kommen, wenn durch starke Regenfälle und Überschwemmungen die Straßen und Zufahrtswege zu den Bienenständen so aufgeweicht sind, daß sie mit Fahrzeugen nicht passiert werden können und der Imker keine Möglichkeit hat den Honig zu ernten.

Die Kultursavanne, die wir in Europa noch antreffen können bietet auch gute Voraussetzungen für die natürliche Bienenhaltung. Kultursavannen in Europa sind meist kleinparzellierte Kulturlandschaften, insbesondere Streuobstwiesen, in Südeuropa mediterane Savannen wie zum Beispiel in Griechenland die Maccia; hier bildet der Thymian die Haupttracht - dieser Honig gilt in Griechenland als der wertvollste; er wird auf den Inseln z.B. auf Amorgos, Naxos und Kreta gewonnen - , die Nadelbäume sind von untergeordneter Bedeutung. In Mitteleuropa sind die Obstbäume der Streuobstwiese eine ideale Bienenweide. Durch das Pflanzen verschiedener Sorten konnte die Blütezeit verlängert werden und die Bienenstände länger in den Obstwiesen verbleiben. Solch eine Streuobstwiese konnte unter Umständen 70-80 Kräuterarten aufweisen (Zur Erhaltung war nur eine Mahd einmal im Jahr notwendig), ca. 1000 Gliederfüßerarten (Insekten und Spinnen), die Biomasse der Regenwürmer bis zu 2000 kg/ha betragen.

Warum hat der Mensch die Erinnerung an sein Urbild der Landschaft vergessen? Interessiert er sich einfach zuwenig zum Beispiel für die griechische Mythologie, für große Zusammenhänge, für das Geistige in der Natur?

Von heutigen Bienenwisseschaftlern wird die Savanne allerdings kaum gewürdigt; ja die Bedeutung verkannt. So zum Beispiel bei R. Kirsch in seinen Untersuchungen (7). Lauter Wind, wenn Herr Kirsch versichert, "die Ergebnisse zeigen eindrucksvoll, daß sich aller Aufwand gelohnt hat." Er nennt seine Arbeit ungemein entscheidend ("Einiges sehen wir nun klarer"), und sie entscheidet schlechterdings nichts, außer daß für ihn "weitere gewinnbringende Arbeiten folgen werden." - da der Staat seine Finanzierung übernommen hat, wird er auch nicht müde darauf hinzuweisen: "dies fordert natürlich zu weiteren und vor allem längerfristigen Untersuchungen heraus." Aber auf die unglaublichen Ergebnisse zurückzukommen: so weiß ich nicht, welches die größere Armseligkeit ist, die Uruguay-Biene eine bisher unbemerkte Biene zu nennen, oder in ihr eine züchterisch verwertbare Varroatose-Toleranz finden zu wollen. Hat man jemals gehört, daß eine Biene mit Varroatose-Toleranz, diese ihre Toleranz nicht sehr bald wieder verliert, wenn das gesamte Umfeld fehlt? Kein Wort (8). Und wie schielend heißt es sich ausdrücken, das, wodurch eine Sache wirklich wird zu einer Folge dieser Sache zu machen? Doch das Schielende ist der eigentliche Charakter des Kirsch'schen Stils, und es steht in keines Menschen Macht, von einer Sache, der er nicht versteht, anders als schielend zu sprechen. Wenn er nur bescheiden spricht, im Fall er sich gezwungen sieht, von einer solchen Sache zu sprechen! Aber zugleich den Ton eines Mannes annehmen, von dem man neue Entdeckungen darin erwarten darf, ungefähr wie dieser: "Der Toleranzmechanismus ist bislang lediglich in Ansätzen zu verstehen." Oder: "gleicht Uruguay noch einer Oase für die Produktion von unbelastetem Honig, von Propolis und Wachs - und einem Eldorado für Bienenwissenschaftler" (7). Als ob es der einzige Ort auf der Erde wäre. Wie wir oben ausgeführt hatten, gibt es deren aber unzählige, sowohl in Südamerika, als auch in Afrika, Osteuropa, Rußland, Asien. Uruguay ist sogar eher ein untypischer Ort für wesensgerechte Bienenhaltung; denn wir finden dort weder natürliche Wälder noch ausgedehnte Savannen, sondern nur kahle Weiden: "Die im ein- oder mehrjährigen Rhythmus immer wieder neu angelegten Viehweiden bilden die ergiebigste Nektarquelle, Rot- und Weiß- sowie Hornklee" und unnatürliche Eukalyptus-Plantagen: "Von Februar bis Mai, gegen Ende der Saison blüht der Eucalyptus grandis. Wegen des hohen Brandrisikos sind Aufstellungsgenehmigungen in den Plantagen schwer zu bekommen. Die riesigen Anpflanzungen bieten in normalen Jahren soviel Nektar und Pollen, daß die Völker innerhalb weniger Tage hoffnungslos verhonigen" (7). Also alles Andere als natürlich; von "Oase" kann da wirklich nicht die Rede sein, und für wesensgerechte Bienenhaltung dürfte das Land nur bedingt tauglich sein.

Und nun wieder zu Herrn Weiler! Das hatte ich versprochen. Er lehrt uns zwar wenig, aber unabhängig davon können wir viel von ihm lernen. Wir dürfen nur an allem zweifeln, was er sagt, und uns weiter erkundigen. Wo blieben wir? - Bei seinem Aufsatz: "Leben spendende Bienenkultur" (2). Mal sehen ob wir noch ein paar drollige Stellen finden. "Bei einem Bienenstich erfahren wir die Wirkung des Bienengiftes als unangenehm" Warum? Könnte ein Weltfremder fragen; falls es einen Sterblichen gibt, der noch nicht wenigstens einmal von einer Biene gestochen wurde. Gesetzt den Fall es gibt ihn, Weiler antwortet promt: "es schmerzt" (2). Manchmal drückt Herr Weiler sich wirklich deutlich aus, doch in der Regel ist es schwierig aus seiner verworrenen Schreibart stwas sinnvolles herauszufiltern:

"Der Boden bietet die physische Grundlage auf und in der das Ätherische Lebendiges zur Erscheinung bringt, als Werdestrom, der zuerst in Pflanzlichem Gestaltung findet. Die Tiere nehmen das Gewordene in sich auf und verwandeln diese Substanz und leisten wesenhafte, seelisch begabte Äußerungen. Der Mensch bringt die Fähigkeit hinzu, gestaltend und zielvoll (Präparate, Landschaftsgestaltung, Kultur) in diese Prozesse hineinzuwirken. Die Biene bringt in diese Zusammenhäbge gewissermaßen das 'Begeisternde' hinein, die Kräfte des Lebens und des Hervorbringens immer neu anzuregen" (2).

Ich bitte Sie, lesen Sie das nocheinmal; - und nocheinmal. Haben Sie mehr gefunden, als Worte ohne Sinn? Lassen Sie uns weitergehen. Herr Weiler weiß nicht, was er will, seine Fehler, die nur seine Fehler sind, sind so armselige Fehler, daß sie auch nicht einmal Anlaß geben, etwas Eigenes anzubringen. Um sie in ihr Licht zu stellen, muß man fast ebenso trivial und langweilig werden, als er selbst ist. Neuerdings hat sich Herr Weiler mit anderen Autoren zusammengeschlossen (Herr Friedmann, Herr Westerhoff und andere). Der Informationsgehalt in den neueren Schriften, wie "Zuchtauslese und Zuchttechnik in der ökologischen Bienenhaltung (1) erreicht aber bestenfalls auch nicht mehr als minimale Ausmaße. Neu ist: Nach dem Studium der alten Lehrer, insbesondere R. Steiner - sie werden immerhin gelesen, ob sie auch verstanden werden steht auf einem ganz anderen Blatt - stellt sich bei Herrn Weiler und Herrn Friedmann "eine gewisse Beklemmung ein". Ein gewisses Gefühl der Beklemmung würde sich bei mir auch einstellen, wollte ich mich mit allen Unterlassungssünden des Herrn Weiler abgeben. Ich würde kein Ende finden! Beendet sei aber hiermit der erste Brief zur wesensgerechten Bienenhaltung.

 Anmerkungen

  1. Friedmann, G. & Weiler, M. (2000): Zuchttechnik und Zuchtauslese in der ökologischen Bienenhaltung. Ö&L 4/00.
  2. Weiler, M. (1998): Leben spendende Bienenkultur. Le 3/98
  3. Thiele, M. (2000): Kurse über wesensgerechte Bienenhaltung I. Kritik der modernen Bienenhaltung. Bad Sooden/Deutschland 
  4. Thiele, M. (2000): Kurse über wesensgerechte Bienenhaltung IV. Modern Beekeeping and honeybee's health in the long run depend on the way of thinking - Ganzheitliches Denken im Gegensatz zu reduktionistischen Denkweisen. Bad Sooden/Deutschland. 
  5. Steiner, R. (1924): Landwirtschaftlicher Kurs. Dornach/Schweiz (GA 327).
  6. Suchantke, A. (1993): Partnerschaft mit der Natur. Entscheidung für das kommende Jahrtausend. Stuttgart/Deutschland.
  7. Rosenkranz, P. & Kirsch, R. (1999): Uruguay - Oase ohne Rückstände. Varroatose-Toleranz der Bienen in Uruguay, Beginn längerwährender Untersuchungen. Deutsches Bienenjournal 5/99.
  8. Liebig, G. (2000): Nachgehakt. Auf der Suche nach den varroaresistenten Bienen: weshalb in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Deutsches Bienenjournal 11/00.
  9. Thiele, M. (2000): Kurse über wesensgerechte Bienenhaltung II. Bad Sooden/Deutschland

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Was glauben Sie, was ich für einen Brief bekommen habe? Ich bekomme ja viele Zuschriften, positive sowie negative, aber dieser ist wirklich beachtlich. Herr B. schreibt: "Ich bin entsetzt" und wirft mir unter anderem vor ich hätte verschiedene Personen verleumdet. Ich antworte ihm: "Es ist nicht Ihr Ernst, Herr B., Sie scheinen "derartige Tiraden" ja gewohnt zu sein, so daß es Ihnen weit leichter wird, eine Verleumdung aus der Luft zu greifen, als usw... Und wer will denn gern verleumdet sein?" Er faselt etwas von "Dummheit", "Haß" und "Halbbildung" und beginnt mit einer Art Selbstdarstellung. 
Ich denk, wir lassen ihn so weiter plaudern; derweil fahren wir in unserer Untersuchung fort, das heißt mit der Untersuchung, wozu unsere Art der Kritik gut sein könnte und was sie auszeichnet. Ich will es einmal so formulieren: 
Was wir untersuchen, wird vorher einer strengen Prüfung unterzogen; Ausgangspunkt sind immer Veröffentlichungen, nicht irgendwelche persönlichen Angelegenheiten. Es mag sein, daß wir nicht immer höflich sind - schließlich ist eine höfliche Kritik keine Kritik sondern nichts anderes als ein schlichtes Komplimente verteilen. Dieser Komplimentierton ist gerade in der Ökobewegung vorherrschend. Nicht nur Herr B. scheint sich daran schon gewöhnt zu haben. Etwas anderes ist es, Personen zu verunglimpfen, anstatt sich auf die Texte zu konzentrieren. Wir gehen lediglich von den Texten aus und begründen unsere Aussagen; jeder Tadel oder Spott ist erlaubt. Aber von "Haß" zu reden (um den Ausdruck des Herrn B. zu verwenden), wo nur Spott zu finden ist, zeugt nur von Unvermögen dies zu unterscheiden.

Notwehr schützt vor Eigenlob, deshalb möchte ich Ihnen zum Vergleich einen Brief von dem Wissenschaftler Thomas S. aus den USA nicht vorenthalten. "Dear Michael", schreibt er "Mir gefallen Deine Briefe fast noch besser als Deine Kurse, obwohl die Kurse natürlich weit mehr Details zur wesensgerechten Bienenhaltung enthalten. Ich mag Deinen Stil und ich schätze es wenn Du sagst, was gesagt werden muß. Du schreibst ohne zu beschönigen oder zu vertuschen, auch ein Bemühen um Vernebelung oder das Brauen angenehmer Beruhigungsmittel wie es bei Kritikern durchaus üblich ist, kann ich bei Dir nicht finden. Aber meinst Du nicht auch, daß Du uns Amerikaner nicht zu einseitig kritisierst? Ich erinnere nur an den zweiten und dritten Brief, zum Beispiel wenn Du sagst: 'QAI ist nicht schlimmer als all die andern; und wenn in Gesellschaft unsinnig sein, den Unsinn entschuldigt, so ist QAI angemessen entschuldigt'; obwohl Du die Gründe dafür angibst, gibt es denn nicht auch ökologische Zertifizierer in Deutschland? Haben die nicht auch ihre eigene 'Gesellschaft'? Ich weiß, daß Du es weißt, aber Du vergißt es mit Absicht".

Die Wahrheit ist, ich rede nicht gern über Zertifizierer, denn es ist eine langweilige Angelegenheit und ich möchte auch nicht, daß Sie wieder beim lesen einschlafen. Also nur ein Wort.

Die Gesellschaft der ökologischen Zertifizierer in Deutschland ist nicht wesentlich anders als die in den USA. Alle diese Firmen - ich kann sie gar nicht aufzählen - sind in ihrer Unparteilichkeit soweit gegangen, daß sie einer einzigen Verordnung, der Bio-Verordnung, mehr Inhalt, deren Verfassern weit mehr Einsicht beilegen, weit mehr Gründe in den Mund geben, als sie jemals gezeigt haben, und sie ihre schlechte Sache weit besser verteidigen lassen, als es von ihnen selbst zu erwarten steht.

Insbesondere Herr Grosch ist es, der plötzlich mit einem Einfalle aufgezogen kommt, der pedantisch genug klingt, um gründlich sein zu können. Ein anderer würde ihn bloß lächerlich machen: ich will ihn prüfen.

Herr Grosch hat die Idee, Honig und Bienenerzeugnisse lediglich nach der Bio-Verordnung zu zertifizieren. Die ökologischen Kriterien der Bio-Verordnung werden ja eingehalten, wie uns sein "Öko-Garantie" - Label versichern will. An schönen Worten fehlt es nicht; aber seine Worte und Redensarten zur ökologischen Bienenzucht hat er aus der Verordnung entwendet. Der Sinn darin war ihm zu schwer; den konnte er nicht mitnehmen, den ließ er wo er war. Das soll sich gleich zeigen. 

Doch ich habe gesagt, daß ich den Einfall nicht bloß lächerlich machen, sondern prüfen will. - Es wäre denn, wie ich fast befürchte, daß dieses auf jenes hinausliefe. - Aber das wäre ja meine Schuld wohl nicht. Also zur Sache: Was steht in der Bio-Verordnung zu den Methoden der Bienenzucht?

Unter Buchstabe C. "Bienenhaltung und Imkereierzeugnisse" schreibt die Verordnung (EWG) Nr. 2092/91 des Rates vom 24. Juni 1991 über den ökologischen Landbau und die entsprechende Kennzeichnung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse und Lebensmittel (Amtsblatt Nr. L189 22.07.1991 S.1) geändert unter u.a. durch Nr. 1804/99 (Abl. L 222 24.08.1999), zuletzt geändert durch Nr. 2020/00 (Abl. L 241 26.09.2000) schreibt sie folgendes vor: " --- ". Wie? Das ist alles? Aber vielleicht finden wir etwas in Bezug auf wesensgerechte Bienenhaltung: " --- ". Nichts? weiter nichts? Aber in Bezug auf Inhaltsstoffe den Honigs: "---".

Was soll ich von einer so klaren Sache viel Worte machen? - Es sei denn, ich hieße Herr Grosch. Dann würde es mir nicht schwer fallen, von dieser Kleinigkeit auf die übrige Bienenzucht zu schließen. Ja, wenn Sie so schließen wollen, wie Herr Grosch oder Herr L. schließt! Dieser Herr L. mag sein, wer er will. Ihn näher kennenzulernen verlange ich gar nicht.

Aber lassen Sie uns weitergehen, damit ich gelegentlich auf etwas komme, das erörtert zu werden verdient; zum Beispiel wie es sich mit der wesensgerechten Bienenhaltung nun verhält. Im ersten Brief hatten wir damit begonnen und wollen im nächsten Brief fortfahren.

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Lieber Freund der wesensgemäßen Bienenhaltung,

Traurig aber wahr ist, daß gerade in der "Bio-Szene" oft nicht gewußt wird, worauf es eigentlich ankommt wenn es um Honig und Bienenhaltung geht, und das in zweifacher Hinsicht: Entweder meint der Kunde und damit auch der Imker, guter Honig müsse cremig gerührt oder wenigstens ein sogenannter "Bio-Honig" sein, der, wie es so schön heißt: "nach den international anerkannten Regeln für Bio-Imkerei" (1) gewonnen wurde. Über die eigentliche Qualität des Honigs und die Art der Bienenhaltung werden sich kaum Gedanken gemacht.

Ein Grund zur Aufregung? Nein, ganz gewiß nicht. Nur geht es darum, das Kind deutlich beim Namen zu nennen. Nun, wer cremigen Honig bevorzugt, sollte sich im Klaren sein, daß es sich um ein durchaus weiterverarbeitetes Produkt handelt - immerhin wurde der Honig tagelang gerührt und wieder aufgewärmt. Diese Honig-Rühr-Tartüfferie hat Herr Binder-Köllhofer ausführlich beschrieben: "Wie bekommt man cremigen Honig? Ganz einfach: Man füllt den gerührten Honig - bereits über mehrere Tage z.B. mit Hilfe einer Bohrmaschine gerührt, d.Verf. - erst in Lagergebinde (Eimer, Hobbock) ab und läßt ihn auskristallisieren. Darin wird er zwar auch hart, läßt sich aber anschließend wieder leicht erwärmen (bei 35 bis 38°C für 2 bis 4 Tage im Wärmeschrank). Dann nochmals rühren (wenn sich das Rührgerät eben eindrücken läßt) und ins Abfüllglas umfüllen. Anschließend die Luftblasen entweichen lassen und abschäumen. Schließlich im geheizten Raum (22 bis 25°C) in temperierte Gläser abfüllen" (2). Je nachdem ob einmal oder mehrmals gründlich oder sehr intensiv gerührt wurde, erhält man nach Binder-Köllhofer einen "feinsteifen", "cremigen" oder "cremig fließenden" bzw. "überrührten" Honig. Das ist das eine. 

Später werde ich noch auf Methoden eingehen, die den Honig am wenigsten manipulieren. Das andere aber ist die Qualitätsfrage in Bezug auf Bio-Honig bzw. die Ökologische Bienenhaltung. Wie muß denn sogenannter Biohonig sein? Fragen wir doch einfach Herrn Walter Lang selbst. Was sagt er dazu? Er sagt: "Allos. So muß Biohonig sein" (3). Eine totale Leere zu kaschieren ist weder ein dankbares noch leichtes Geschäft. Herrn Lang kann bestätigt werden, daß er keine Mühe gespart hat. Das Ergebnis ist, so ausführlich auch über seine Honigsorten erzählt wird, erschreckend oberflächlich. Warum? Wir werden später noch näher darauf eingehen.

Aber wie muß er denn nun sein, der Biohonig? Er wird "gewonnen nach den international anerkannten Regeln für Bio-Imkerei" (4). Walter Langs erstaunliche Geläufigkeit in derartigen Sätzen verwandelt sich rasch in baren Leerlauf. Aber sehen wir uns einmal seine Honigbroschüre an. Es steht in dieser Honigbroschüre viel Vernünftiges und Richtiges, sie nötigt oft ehrlichen Respekt ab. Alle Achtung, dachte ich mir immer wieder - nur, daß ich dabei gähnen mußte. In einer älteren Ausgabe der Honigbroschüre (5) ging er von Fakten und Sachverhalten aus und ließ viele Hohlräume stehen. In der neuen Auflage (6) hingegen möchte er von einem zentralen Hohlraum ausgehen und ihn mit Fakten und Sachverhalten einkreisen und erschließen. Was er zum Beispiel über die Honiglagerung sagt, ist so schlecht gar nicht, nur würde ich nicht allzuviele Materialien aufzählen, denn wer will schon gerne seinen Honig in Emaille, Weißblech, Schwarzblech oder Stahlblech aufbewahren?

"Wird Honig luftdicht, dunkel und in kühlen, trockenen Räumen gelagert, ist er je nach Sorte, pH-Wert und Wassergehalt mehrere Jahre haltbar. Die optimale Temperatur, um Honig längere Zeit zu lagern, beträgt 14° C. Er darf nur in Gefäßen aus bestimmten Materialien aufbewahrt werden. Dafür eignet sich Glas, Emaille, Weißblech (verzinntes Eisenblech), lackiertes Schwarzblech oder rostfreies Stahlblech. Nicht erlaubt sind verzinkte Behältnisse, da sich sonst giftiges Zinkoxid bilden kann. Eisenblech ist ebenfalls nicht geeignet, weil sich der Honig an den Kontaktstellen schwarz färbt" (7).

Der Glaube an die Idee der Pflichterfüllung, der kategorische Imperativ, die "Seriosität" (vergl. Auch Briefe zur wesensgemäßen Bienenhaltung Teil I) - das sind seine Ausgangspositionen, der Staat als höchste Form der Einheit von Recht und Moral - das war und ist Langs Streben und Ziel und damit das zentrale Thema seiner Texte. Bei jeder Gelegenheit beruft er sich auf die Gesetze, insbesondere die EU-Bio-Verordnung Nr. 2092/91; folgerichtig gilt ihm die peinliche Einhaltung der Vorschriften der EU-Bio-Verordnung als die wichtigste qualitätsfördernde Maßnahme seiner Imkereien und des Honigs: "Die Untersuchungsergebnisse werden im Prüfprotokoll des Qualitätsmanagement-Handbuches notiert" (8). Deshalb würde Herr Lang gerne seinen gesamten Honig als Biohonig anbieten, wenn nicht diese Sachzwänge wären: "Wir bemühen uns prinzipiell darum, Honig von zertifizierten, ökologisch arbeitenden Imkereien anzubieten" (9). Aber? -- Was ist mit den andren Imkereien und Honigsorten? Zu hohe Kosten durch die Zertifizierung? Er sagt: Es "würde der Honigpreis durch die Zertifzierung stark ansteigen" (10). - Hätte das etwa zur Folge, daß diese Honige Schwierigkeiten hätten mit den in Deutschland produzierten Bio-Honigen zu konkurrieren? Herr Lang sieht das ganz anders: "Da qualitativ sehr hochwertige Honige überaus gefragt sind können unsere Lieferanten ihren Honig immer gut abzusetzen. Das zusätzliche Prädikat: "aus kontrolliert biologischer Erzeugung" zu erlangen birgt daher für sie kaum Vorteile" (11). Schließlich gibt es ja die chemische Analyse, wozu also Bio-Kontrolle?: "Für eine objektive Beurteilung des Honigs und zur Absicherung der Qualität lassen wir jeden Honig auf sensorische und chemisch-physikalische Eigenschaften, sowie Rückstände untersuchen" (12). 

Die Stützpfeiler, von denen Herr Lang ausgeht sind also die chemische Analyse "zur Absicherung der Qualität" und wenn nötig die Bio-Kontrolle durch "BCS, dem Kontrollbetrieb von Allos" (13). Diesen zentralen Hohlraum - chemische Analyse und Bio-Kontrolle nach gesetzlichen Mindestanforderungen - möchte Herr Lang mit Fakten und Sachverhalten einkreisen und erschließen. Warum nur? Es geht doch um etwas ganz Anderes. Was hat dieser Hohlraum mit wesensgemäßer Bienenhaltung zu tun? Gar nichts. Und doch betont er immer wieder - und das seit 25 Jahren! - worauf es ihm ankommt bei der Honigerzeugung: auf die "Gewinnung nach international anerkannten Regeln für Bio-Imkerei (nur Einsatz biologischer Präparate, Verwendung natürlicher Materialien und schadstofffreier Anstriche, Aufstellung der Völker in weitestgehend unbelasteten Gegenden). Jährliche Kontrolle vor Ort durch unabhängige Kontrolleure" (14). Was heißt das? Das heißt es kommt ihm einzig und allein auf die Schadstofffreiheit des Produktes an. Ob die Haltungsbedingungen der Bienen wesensgemäß sind, interessiert ihn nicht - schließlich ist es in den Gesetzen, nach denen er sich zertifizieren läßt auch nicht enthalten. 

Auch war Ihm nie gelungen, die wissenschaftliche Welt zu provozieren oder auch nur anzuregen. - Was es in dieser Beziehung mit Herrn Kirsch, Herrn Grosch oder Herrn Weiler auf sich hat, habe ich ja ausführlich dargestellt (vergl. Briefe zur wesensgemäßen Bienenhaltung Teil I). 

Walter Lang, "einer der Pioniere der Naturkost" (15), wie er nicht müde wird darauf hinzuweisen, wurde und wird immer noch von seinem Publikum in der Naturkostszene geliebt, weil er ihm nichts vorenthalten und zugleich nichts abverlangt hat. Aber wie kommt es zu dieser auf phänomenalen Mißverständnissen beruhenden "Allos"-Mode in den deutschen Naturkostläden? Ist es der pseudophilosophische Tiefgang, wenn er zum Beispiel als "Honig - und Naturkost-Spezialist" (16) über das "Wunderkorn der Inkas" (17) berichtet?

Die Verbindung von Scharfsinn und einer gewissen Beschränktheit, ja von Raffinesse und einer so überraschenden wie entwaffnenden Einfalt ist hier nicht etwa bewußt präpariert. Sie entspricht vielmehr der Persönlichkeit, der Mentalität Langs. Er wollte seinen Honigkunden ohne Umschweife klarmachen, wie die Welt des Honigs im Grunde war und wie gründlich Walter Lang sie durchschaute. Aus dieser Mentalität, die natürlich manchen Lesern - und erst recht den Kollegen Langs - auf die Nerven gehen mußte, ergab sich sein munterer und zugleich etwas betulicher Moralismus (der bei seinem Kollegen Herrn Evers allerdings weitaus stärker ausgeprägt ist ) , dieser aufklärerische und immer ein wenig naive Optimismus, der sich übrigens nie von der realen Entwicklung beirren ließ und der offenbar von zahllosen Naturkostkunden goutiert wurde. Die außerordentlich guten Erfolge im Naturkosthandel haben seine Selbstkontrolle in Bezug auf Wichtiges und Unwichtiges in der Bienenhaltung auf fatale Weise reduziert. Ich halte den Mann für sinnlos überschätzt. 

Immerhin gibt es ja zunehmend neue Anbieter von Bio-Honig in der Naturkostszene: zum Beispiel Martin Evers. Er will nur das Beste und das aus "kontrolliert biologischer Imkerei"(18). Er nennt uns auch Einzelheiten: 

"Martin Evers Imkerhonig ist Ihre Garantie für echten Bio-Honig! Das bedeutet -- Jetzt sind wir aber gespannt! -- :

"Bei der schonenden Verarbeitung des Honigs werden keine synthetischen Chemikalien oder Bienenbehandlungsmittel verwendet" (20). Hat man jemals gesehen, daß bei der Verarbeitung des Honigs synthetische Chemikalien verwendet werden? Kein einziger Imker kommt auf solche Ideen. Wenn das das Besondere an der Bio-Imkerei sein soll, dann weiß ich wahrlich nicht, was das Besondere an der Bio-Imkerei sein soll! 

"Den Bienenköniginnen werden nicht die Flügel beschnitten" (21). Nein, das nun gerade nicht, aber verschwiegen wird, daß sie künstlich besamt werden und das sogenannte Umlarv-verfahren auch nicht spurlos an den Königinnen und dem Bienenvolk vorübergeht. 

"Die Imkerei wird mehrmals im Jahr durch eine unabhängige Kontrollstelle kontrolliert und zertifiziert" (22). Womöglich kampieren die direkt auf dem Gelände. 

Wer jedoch von den Texten des Herrn Evers auf das Niveau der heutigen Bienenliteratur oder Literatur zur ökologischen Bienenhaltung in Deutschland schließen wollte, wäre leichtsinnig. Dieses Niveau ist erheblich höher.

Den Weg des geringeren Widerstandes, der auf die erfolgreichen Honigverkäufer eine ebenso verständliche wie gefährliche Anziehungskraft ausübt, hat er jedenfalls verpönt: seinem neuen Versuch Honig zu verkaufen und Werbetexte zu verfassen kann Routine am wenigsten vorgeworfen werden. Im Gegenteil: Während seine übrigen Werbetexte der Naturkostszene bereits allzu gut bekannt sind, erwecken die neuen Formulierungen, mit denen Herr Evers den Schritt auf den Honigmarkt wagt, eher den Eindruck einer Ankündigung, den ein ausgesprochener Anfänger geschrieben hat, der sich über seine Möglichkeiten und Grenzen nicht im Klaren ist.

Kurz: Wer mehr über wesensgemäße Bienenhaltung, wie sie in unseren Kursen gelehrt und von führenden Instituten gefordert wird, erfahren will, ist bei Herrn Lang und Herrn Evers an der falschen Adresse.

Ihr M.T.Anmerkungen

(1) Schrot & Korn. Das Naturkostmagazin 6/2001, p. 2, Schaafheim/Germany
(2) Bindeler-Köllhofer, B., 2001: Cremiger Honig, ein Kinderspiel? ADIZ/Die Biene/Imkerfreund 6/2001, p. 14-15. Berlin/München, Germany.
(3) siehe Nr. 1.
(4) Ibid. 
(5) Walter Lang/Allos, 1995: Honigbroschüre. Mariendrebber, Germany.
(6) Walter Lang/Allos, 2001: Honigbroschüre. Mariendrebber, Germany.
(7) Ibid.
(8) Ibid.
(9) Ibid.
(10) Ibid.
(11) Ibid.
(12) Ibid.
(13) Ibid.
(14) Schrot & Korn. Das Naturkostmagazin 6/1999, p. 18, Schaafheim/Germany.
(15) Schrot & Korn. Das Naturkostmagazin 7/1999, p. 16-17, Schaafheim/Germany.
(16) Ibid.
(17) Ibid.
(18) Schrot & Korn. Das Naturkostmagazin 10/2001, p. 55, Schaafheim/Germany. 
(19) Ibid.
(20) Ibid.
(21) Ibid.
(22) Ibid.

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Lieber Freund der wesensgemäßen Bienenhaltung,

Es wird mir immer wieder vorgeworfen, es sei lächerlich, wenn man sich einbilden wollte, daß in den Texten von "seriösen" Persönlichkeiten etwas anderes als "Seriosität" zu finden sei und das Lächerliche ja wohl den geringsten Anteil daran haben könne. Warum das? Geschieht nichts Lächerliches in der Welt? Sich etwas Lächerliches als geschehen denken, ist das so lächerlich? Ist das Lachen nicht eine Art Krankheitsvorsorge? Worauf kommt es denn an? Ist es nicht die Übung unserer Fähigkeit das Lächerliche zu bemerken; es unter allen Bemäntelungen, der Mode, sogar im feierlichen Ernst, leicht und geschwind zu bemerken? Wer schon etwas in Übung ist, dem bieten die Texte von "seriösen" Persönlichkeiten, wie zum Beispiel die des Herrn Walter Lang und Herrn Peter Grosch ein weites Feld der Übung. Die Komödie ist für Anfänger unentbehrlich, "seriöse", zum Teil "wissenschaftliche" Texte für den Fortgeschrittenen. 

Welche Übung steht heute an? In den letzten beiden Briefen haben wir uns ausführlicher über die Honiggewinnung unterhalten wowie über Methoden, die die Qualität des Honigs erhalten (1). Ist es nicht verwunderlich, daß die Vorgaben der EG-Öko-Verordnung diesen Qualitätsansrüchen diametral entgegenlaufen? Und ist es verwunderlich, daß für Walter Lang der Begriff "Biohonig" durch die EU-Bio-Verordnung eindeutig definiert ist? Damit wäre die nächste Übung umrissen; außerdem werden wir in den folgenden Briefen die Bio-Kontrolle nach EG-Öko-Verordnung etwas genauer betrachten, denn dies ist für Imkereien zunehmend von Bedeutung. Aber davon später mehr.

Zunächst nocheinmal zu einer Veröffentlichung von Herrn Lang. In seiner Allos Honigfibel sagt er: "Allos - Der Bio-Honigspezialist ... setzt sich für vollwertige Ernährung und ökologischen Landbau ebenso ein wie für die ökologische Imkerei" (2). Diesen großen Satz wollte Herr Lang beweisen um alle seine Gegner und Konkurrenten am Honigmarkt, wo nicht auf einmal in die Enge zu treiben, doch wenigstens so zu brandmarken, daß sich keiner seiner Entfernung von der Ökologie und der EU-Bio-Verordnung mehr rühmen dürfe. Der Vorsatz war vortrefflich, und eines eifrigen Honighändlers würdig. Schade nur, daß sich die Wahrheit nicht immer nach unseren guten Absichten bequemen will. Nicht will? O sie wird müssen; wir verstehen uns aufs Beweisen. "Denn", sagt Herr Lang "alle Bereiche bilden zusammen die Grundlage für eine intakte Umwelt und naturbelassene Lebensmittel" (3). Da steht der Beweis und er ist dazu noch schön gesagt. Nun will Herr Lang weiter gehen: "Die EU-Bio-Verordnung regelt seit August 2000 verbindlich die Richtlinien für ökologische Bienenhaltung; damit ist seitdem auch der Begriff 'Biohonig' eindeutig definiert" (4). In den vorhergehenden Briefen haben wir gesehen, wie wenig der Begriff "Biohonig" definiert ist, und wie diametral die Qualitätsansprüche auseinanderklaffen. Aber Herr Lang schiebt uns eine Definition unter, die klar und eindeutig sein soll. - Kein Mensch wird diese Definition dafür erkennen. - Für Herrn Lang ergibt sich aber daraus sein "Anspruch an Bioqualität" (5) und daher habe er "weltweit eine positive Wirkung auf die Entwicklung der Imkerei" (6). So denkt er, und schleicht sich stillschweigend aus dem Paradoxo in die angrenzende Wahrheit.

Anstatt zu beweisen, daß ohne Allos, dem "Bio-Honigspezialist" keine intakte Umwelt, naturbelassene Lebensmittel und eine ökologische Imkerei sein könne, beweist er, daß da, wo eine intakte Umwelt ist, eher der "Bio-Honigspezialist" zu vermuten sei, als wo keine ist. Er versprach etwas zu beweisen, wobei wir alle die Ohren spitzten, stattdessen bewies er etwas, was keines Beweises braucht. 

Wenden wir uns nun aber einer Sache zu, die eines wirklichen Beweises bedarf. Es ist gut den roten Faden im Auge zu behalten, gerade wenn von "Bio-Schwindel" oder "Öko-Kontrollstelle", von "Bio-Garantie" oder "Biosiegel" die Rede ist. An Hand eines Beispiels aus dem Bereich der Landwirtschaft zeigen wir die Schwierigkeiten, die Auftreten können, wenn eine Zertifizierung lediglich nach EG-Öko-Verordnung erfolgt. Doch davon mehr in den nächsten Tagen.

M.

(1) Briefe zur wesensgemäßen Bienenhaltung Teil II, Nr. 26-27. Bad Sooden, Germany.
(2) Allos/Walter Lang, 2001: Honigfibel mit Informationen und vielen Tips zum Thema Honig. Mariendrebber, Germany.
(3) Ibid.
(4) Ibid.
(5) Ibid.
(6) Ibid.

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Der Zuschauer, der die Geschichte der "Bio-Kennzeichnung" durch die EG-Öko-Verordnung nicht kennt, verliert sich rasch in einem Chaos ihm ganz oder teilweise unverständlicher Äußerungen, Anspielungen und Vorfälle. Derjenige Zuschauer hingegen, der die Gesetzestexte, die Interpretationen und Kritiken gelesen hat und dem die wesensgemäße Bienenhaltung und die biologisch-dynamische Landwirtschaft viel bedeuten, ist entsetzt über die Oberflächlichkeit von Peter Groschs Ausführungen zu dem ihm vorgeworfenen "Bio-Schwindel" und seine zumindest ärgerliche Fahrlässigkeit.

Worum geht es? Herr Frühschütz von dem bekannten Naturkostmagazin in Deutschland "Schrot&Korn" sagt: "Hipp ist zwar kein Naturkost-Projekt, aber vermutlich das wichtigste Bio-Unternehmen der "normalen" Wirtschaft. Deshalb kann es weder Naturkost-Kunden noch ein Naturkost-Magazin kalt lassen, wenn hier in größerem Maße betrogen würde. Noch viel weniger, ... wenn auch das System der 'internen Qualitätssicherung', das weltweit eine Säule der Bio-Kontrollsysteme ist, völlig unzuverlässig wäre"(1).

Wie halten es denn die sogenannten Öko-Kontrollstellen nach EG-Öko-Verordnung mit der internen Kontrolle in Kombination mit externer Inspektion? Das folgende Beispiel handelt zwar von Bananen und Kleinbauern, dasselbe System wird aber auch auf Honig und Imkereien angewandt, wie uns die Beispiele Allos/Walter Lang und Martin Evers gezeigt haben (2). Was ist passiert?

Sollte der Vorwurf den Tatsachen entsprechen, "im Falle von Hipp habe die Kontrolle nicht funktioniert und es seien größere Mengen konventioneller Bananen zu Bio-Babynahrung verarbeitet worden, trifft deshalb die gesamte Bio-Branche" (3). - Zumindest den Bereich, der sich ausschließlich nach den Mindestanforderungen der EG-Öko-Verordung von sogenannten "Öko-Kontrollstellen" kontrollieren läßt. Das in diesem Fall praktizierte Kontrollsystem wird zwar "von allen international tätigen Zertifizierern angewandt, wenn es darum geht, große Mengen an Kleinbauern zu überprüfen" (4). Dennoch müsse man differenzieren. 

Das Stichwort lautet "Internes Kontrollsystem". In der Praxis sieht das so aus: Kleinbauern, die biologisch anbauen wollen oder Imkereien, schließen sich zu einer Gruppe, etwa einer Genossenschaft, zusammen. Diese übernimmt nach externen Vorgaben die interne Kontrolle, besucht alle Bauern mindestens einmal im Jahr, berät sie und überprüft die Einhaltung der Anbauregeln. Zusätzlich gibt es natürlich auch eine soziale Kontrolle der Bauern untereinander - wenn herauskommt, dass unzulässig gespritzt oder gedüngt wird, besteht die Gefahr, dass die ganze Genossenschaft ihre Bio-Zertifizierung verliert. "Aber natürlich verlässt man sich nicht allein auf das interne Kontrollsystem. Der externe Zertifizierer kontrolliert mindestens einmal im Jahr die Gruppe, insbesondere die Dokumentation und das Funktionieren der internen Kontrolle. Zusätzlich überprüft er eine Stichprobe von mindestens 10 Prozent der Bauern direkt (wenn der externe Kontrolleur den Eindruck hat, dass das interne System gut funktioniert). Es können aber auch 20 oder 50 Prozent sein, wenn der Kontrolleur Zweifel hat. ... Die Qualität der Kontrolle leide nicht unter dem internen Kontrollsystem, sagen übereinstimmend alle Zertifizierer" (5). 

- Nur werden die Kontrolleure des internen Kontrollsystems nach EG-Öko-Verordung geschult. Was heißt das? Der Standard, der den Schulungen zugrunde liegt, ist wesentlich niedriger, als der, nach denen private Zertifizierungsorganisationen vorgehen. Davon hängt es aber entscheidend ab, wie gut das System funktioniert. Besonders wichtig ist auch die Aufklärungsarbeit, die zu Beginn in das Projekt investiert wird, um den ökologischen Landbau und die wesensgemäße Bienenhaltung in den Köpfen und Herzen der Bauern und Imker zu verankern. Dies ist die Aufgabe der unabhängigen Trainingszentren. "Deshalb ist es durchaus sinnvoll zu fragen, ob die Produkte eines Anbieters aus Projekten mit langjährigen Beziehungen stammen oder auf dem Weltmarkt für Bio-Waren zusammengekauft wurden" (6). 

Worauf ist also in erster Linie zu achten? Es ist wichtig zu erfahren, wie gut die im internen Kontrollsystem tätigen Inspektoren für ihre Aufgabe geschult wurden. Eine Schulung dieser Inspektoren nach EG-Öko-Verordnung ist vor allem im Bereich der Bienenerzeugnisse völlig unzureichend. Und wenn Herr Grosch das nicht versteht: so kann ich ihm freilich nicht helfen; und man muß ihm erlauben, so lange zu schwatzen als er will. Und wahrhaftig sein Geschwätz erregt ordentlich Mitleiden: Als Öko-Kontrollstelle beteuert er: "BCS ist die einzige nach EN 45011/ISO 65 akkreditierte deutsche Öko-Kontrollstelle und kann die korrekte Wirklichkeit konkret belegen" (7). 

Es ist kaum verwunderlich, daß "es Probleme geben kann" (8). Das zeigt das Beispiel Hipp und Grosch erklärt uns Herr Frühschütz: "Der Geschäftsführer der Hipp-Tochter Trobanex wurde im Frühjahr 2000 gefeuert, weil er über eine Million Mark in die eigene Tasche gewirtschaftet hatte. Ob angesichts solcher krimineller Energie das interne Kontrollsystem, dass eben dieser Geschäftsführer aufgebaut hat, ordentlich funktionierte, ist fraglich. Schließlich hat der Geschäftsführer an jeder Banane mitverdient, die er an Hipp lieferte. Peter Grosch, der Leiter der für das Hipp-Projekt zuständigen Kontrollstelle BCS Öko-Garantie, sagt, er habe das interne Kontrollsystem regelmäßig überprüft, ebenso jeden neu hinzu gekommenen Lieferanten. Dass etwa 40 bis 50 Bauern wegen des Einsatzes von Chemikalien ausgeschlossen wurden, ist für Grosch ein Beleg für das Funktionieren des Kontrollsystems" (9). - Also doch alles nur ein Wortstreit? Für Herrn Grosch vielleicht. Ich errege dem Verfasser von "Der 'Bio-Schwindel', eine Stellungnahme" (10) keinen Wortstreit. Denn es ist kein Wortstreit mehr, wenn man zeigen kann, daß der Mißbrauch der Wörter auf wirkliche Irrtümer leitet. 

Doch dieser Irrtum ist bei ihm nur der Übergang zu einem größeren. Hören Sie, wie es weiter geht: "Etwas kritischer sieht dies die Europäische Union. Sie hatte im November 2000 Auditoren nach Costa Rica geschickt, um das dortige Öko-Kontrollsystem zu inspizieren. In dem Bericht ist in Bezug auf das dortige BCS-Büro von einer "ärmlichen Dokumentation" des Inspektionssystems die Rede sowie von unvollständigen und mangelhaft geführten Unterlagen. Peter Grosch räumt ein, dass das Büro in Costa Rica schlecht organisiert gewesen war. Der größte Teil der als fehlend monierten Unterlagen sei vorhanden, aber auf die Schnelle nicht auffindbar gewesen. Dass "nicht alles immer so war, wie es sein sollte", begründet Peter Grosch mit dem schnellen Wachstum von BCS" (11).

Es sind überhaupt alle seine Begründungen und Stellungnahmen von ganz sonderbarem Schlage. Von einer einzigen lassen Sie mich nur noch ein paar Worte sagen.

Grundsätzlich hat er nichts gegen Kritik. Das kommt in seinem Lob der Zeitschrift Schrot &Korn zum Ausdruck: er meint, daß er "dieses Blatt immer als waches und kritisches, als gesund provokatives Szeneorgan empfunden habe" (12), obwohl er "keineswegs immer mit allem einig" (13) war. Dennoch spart er nicht an Lob: "Das ändert aber nichts daran, dass diese 'Instanz' S+K einfach gut ist und immer 'dran'. Es wird nicht leicht sein besser zu werden, einfach weil Ihr schon so gut seid: Dranbleiben heißt mitentwickeln, Anstöße geben und Anstoß erregen, damit die Dinge dahinter sichtbar werden... mit Zivilcourage, Sachverstand und Visionen!" (14) - Was er von Kritik hält, wenn die "Dinge dahinter sichtbar werden" und welche Begründungen er anführt, erfahren wir in der Fortsetzung (15).

M.

(1) Frühschütz, L., 2001: "Max" und die Bio-Bananen. Schrot & Korn. Das Naturkostmagazin 11/2001, p. 49-52, Schaafheim/Germany.
(2) Briefe zur wesensgemäßen Bienenhaltung Teil II, Nr. 25ff. Bad Sooden, Germany.
(3) Frühschütz a.a.O.
(4) Ibid.
(5) Ibid. Mehr über Kontrollsysteme, siehe Kurs über wesensgemäße Bienenhaltung #03, Teil I sowie Kurs für Zertifizierer #25. Bad Sooden, Germany.
(6) Ibid.
(7) Peter Grosch/BCS ÖKO-GARANTIE, 2001: ‚ Der Bio-Schwindel' in der Zeitschrift MAX vom 6.9.2001, Stellungnahme. BCS-Mitteilung vom 08.09.01, Nürnberg, Germany.
(8) Frühschütz a.a.O.
(9) Ibid.
(10) Grosch a.a.O.
(11) Frühschütz a.a.O.
(12) Schrot & Korn. Das Naturkostmagazin 9/2000, Grußworte, Schaafheim/Germany.
(13) Ibid.
(14) Ibid.
(15) Briefe a.a.O. Teil II, 30ff.

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