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Rückstände im Honig nach Verwendung des Thymolrähmchens gegen die Varroa

Stefan Bogdanov, Verena Kilchenmann, Anton Imdorf et Peter Fluri
Forschungsanstalt für Milchwirtschaft
Sektion Bienen
Liebefeld
3003 Bern
SWITZERLAND

Einleitung

Thymol zeigt eine gute Wirkung gegen Varroamilben bei hoher Bienen-Verträglichkeit [1]. In der Schweiz wird der Wirkstoff in der Praxis seit 1994 hauptsächlich in Form des von der interkantonalen Kontrollstelle für Heilmittel registrierten Produktes „Apilife VAR" eingesetzt [2]. Die Behandlung erfolgt nach Abschluss der Honigernte im Spätsommer bis Herbst während 8 Wochen. Dabei häufen sich auch bei mehrjähriger Wiederholung keine übermässigen Rückstände im Honig und im Wachs an. Seit etwa drei Jahren wird in unserem Land ein weiteres Verfahren in der Praxis angewendet, das sogenannte „Frakno-Thymolrähmchen" nach Imkermeister Franz Knobelspies [3]. Er empfiehlt, im Unterschied zum „Apilife VAR", die Völker ganzjährig mit Thymol zu behandeln. Hier stellt sich die Frage, ob die Qualität des Honigs durch Thymolrückstände beeinträchtigt wird. Solche wären zwar gesundheitlich unbedenklich, sie können aber den Geschmack des Honigs beeinflussen. Und dies wäre im Widerspruch zur Lebensmittelgesetzgebung: Sowohl die Lebensmittelverordnung unseres Landes wie auch die europäischen Vorschriften verbieten beim Honig Zusätze, welche seinen natürlichen Geschmack verändern. Der in der Schweiz geltende Toleranzwert von 0,8 mg Thymol pro kg Honig ist so festgelegt, dass KonsumentInnen diese Menge sensorisch noch nicht wahrnehmen können. Die Schwelle für die Wahrnehmung liegt bei etwa 1,1 mg/ kg.

Anlass zu der vorliegenden Untersuchung waren die Bedenken bezüglich der Honigqualität bei einer ganzjährigen Thymolanwendung. Das Bieneninstitut der Universität Hohenheim gab 1997 Ergebnisse bekannt [4], wonach ein Fünftel der Honige aus Völkern mit der Thymolrähmen-Dauerbehandlung Thymolgehalte aufwiesen, die über dem Schweizerischen Toleranzwert von 0,8 mg pro Kilo lagen. Das Ziel unserer Studie ist, die Thymolrückstände in Honig nach längerfristiger Anwendung des Thymolrähmchens unter den Bedingungen der schweizerischen Praxis zu kennen. Obwohl die Untersuchung erst während einer Bienensaison durchgeführt wurde und somit nicht abgeschlossen ist, sollen die Resultate ihrer Aktualität wegen bereits der Imkerschaft mitgeteilt werden.

[Zahlen in Klammern] : siehe Literaturreferenzen am Schluss

Proben und Analysen

Die Honige stammen aus Bienenständen von 17 Imkern (14 mit Schweizerkasten und 3 mit Magazinbeuten) aus der Ernte 1997. Die Varroabekämpfung erfolgte 1996 und 97 (in einem Fall seit 95) mit der Thymol-Dauerbehandlung nach Knobelspies. Die speziellen Rähmchen blieben ganzjährig im Brutraum der Völker eingehängt und wurden 2 Mal jährlich (in der Regel im März- April sowie im Juli-August) mit 12 g kristallinem Thymol gefüllt. Der Wirkstoff verdunstete im Laufe mehrer Monate aus dem Vorratsbehälter der Rähmchen. Ein Imker hatte die Rähmchen anfangs April für die Dauer der Trachtzeit entfernt. Insgesamt wurden 22 Honigproben untersucht. Die Herkunft der Honige wurde mittels der Messung der Leitfähigkeit bestimmt. Danach waren es je 6 Blüten- und Honigtauhonige und 10 Mischhonige aus Blüten- und Honigtautracht. Die Messung der Thymolgehalte erfolgte gaschromatographisch. Die Nachweisgrenze für Thymol betrug 0.02 mg/kg.

Resultate und Diskussion

thymol_ge.gif (12308 octets)

Abbildung : Rückstände von Thymol in Honig nach ganzjährigen Behandlungen mit dem Thymolrähmchen nach Imkermeister Franz Knobelspies. CH = 22 Proben aus der Schweiz; D = 18 Proben aus Deutschland, Analysen von Dr. Klaus Wallner [4]

Rückstände nach Dauerbehandlungen mit Thymol
Die Resultate der Liebefelder Untersuchung von 1997 und die Messungen aus Deutschland von 1996 sind in der Abbildung dargestellt. Der Durchschnitt aus den 22 schweizer Proben betrug 0.33 mg Thymol pro kg Honig (Minimum £ 0,02 mg/ kg, d.h. unter der Nachweisgrenze; Maximum 0,83 mg/ kg). 1 Probe lag leicht über dem Toleranzwert von 0,8 mg/ kg. Die Rückstände, welche vom Bieneninstitut in Hohenheim (Dr. Klaus Wallner) 1996 in deutschen Honigen gemessen wurden, waren generell höher als jene in den schweizer Proben: Durchschnitt 0,63; Minimum 0,07; Maximum 2,0 mg/ kg. Die Gründe für die höheren Werte in Deutschland wurden nicht näher untersucht. Eine Rolle könnte die vermutete grössere Anzahl der Behandlungsjahre auf den deutschen Bienenständen spielen.

 

Durchschnitt mg/ kg

Minimum mg/ kg

Maximum mg/ kg

Blütenhonig (6 Proben)

0,52

0,40

0,83

Mischhonig (10 Proben)

0,25

0,08

0,54

Waldhonig (6 Proben)

0,29

< 0,02

0,63

Aus diesen Werten lässt sich die Tendenz ablesen, dass Frühjahrshonige eher höhere Rückstände von Thymol aufwiesen als die Honigtauhonige vom Sommer. Ob sich dies bestätigen lässt, kann erst nach Wiederholungen der Analyse in anderen Jahren gesagt werden.

 

 

      Es stellt sich die Frage, ob das Herausnehmen der Thymolrähmchen während der Tracht die Rückstände im Honig verringern würde. Auf einem Bienenstand wurden die Rähmchen während der Trachtzeit entfernt. Hier fielen die Werte der Thymolrückstände bei den zwei erzielten Honigernten deutlich tiefer aus als bei den anderen Bienenständen. Der Befund kann allerdings nicht als definitives Ergebnis aufgefasst werden, weil noch keine weiteren Messungen vorliegen.

 

    Interessant ist es hier, die Thymolrückstände nach ganzjährigem Einsatz des Thymolrähmchens mit der Anwendung von Apilife VAR während 8 Wochen im Herbst zu vergleichen:
 

Durchschnitt mg/ kg

Minimum mg/ kg

Maximum mg/ kg

Thymolrähmchen
ganzjährige Anwendung
2 - 3 Jahre (22 Proben)


0,33


< 0,02


0,83

Apilife VAR
8 Wochen im Herbst
1 - 5 Jahre (28 Proben)


0,16


< 0,02


0,48

Die Rückstände nach der Anwendung von Apilife VAR fielen signifikant niedriger aus (p = 0,005) als bei der Verwendung des Thymolrähmchens.

 

 

    In der vorliegenden Untersuchung wurde der Wirkungsgrad nicht berücksichtigt. Nach den Angaben der Imker gab es auf den 17 Bienenständen keine Hinweise für eine mangelhafte Wirkung. Wenn allerdings von der Empfehlung des ganzjährigen Einsatzes der Rähmchen abgewichen wird (Unterbruch während einigen Wochen bis Monaten während der Trachtzeit) so ist wohl mit einer Abnahme der Wirkung zu rechnen, deren Konsequenz nicht bekannt ist.

Schlussfolgerungen

Literaturhinweise

[1] Imdorf A. et al., 1995. Toxizität von Thymol, Campher, Menthol und Eucalyptol auf Varroa jacobsoni und Apis mellifera im Labortest. Apidologie 26, 27-31.
[2] Imdorf A. et al., 1994. Apilife Var - Ein Varroabekämpfungsmittel mit dem Hauptwirkstoff Thymol. Schweiz. Bienen-Zeitung 1994, (6), 326-33
[3] Knobelspies F., 1996. Die Varroamilben und die Thymolanwendung im Sommer. ADIZ, 1996, (6), 20-21
[4] Wallner K. 1997. in: Bericht der Landesanstalt für Bienenkunde der Universität Hohenheim für das Jahr 1996, ADIZ, (3), S XV

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